Alle auflagenstarken bezahlten Tageszeitungen der Deutschschweiz haben
im laufenden Jahr an Auflage verloren. Zugelegt haben einzig eine
Sonntags- und eine Gratiszeitung.
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Die WEMF AG für Werbemittelforschung weist in ihren Zahlen vom Montag
für sämtliche grossen bezahlten Tageszeitungen der Deutschschweiz
Auflageneinbussen aus. Den grössten Rückgang hinnehmen muss der «Blick»
von Ringier. Seine Auflage sank gegenüber dem Vorjahr um 8,3 Prozent auf 191'064. Verloren haben auch die Flaggschiffe der beiden anderen grossen Zürcher Verlagshäuser Tamedia
(TAMN101.81.80%)
und NZZ. Der «Tages-Anzeiger» verliert 3,6 Prozent (neu 188'602) und die «Neue Zürcher Zeitung» 2,3 Prozent (neu 129'627). Etwas
weniger gross ist der Auflagenschwund bei der «Berner Zeitung». Ihre
Auflage ging um 0,27 Prozent zurück und liegt neu bei 173'684
Exemplaren. Bei den auflagenstärksten Tageszeitungen der anderen
Deutschschweizer Regionen zeigt sich ein ähnliches Bild: Von Basel über
Luzern und Chur bis nach St. Gallen gingen die Auflagen überall zurück. Zugelegt
haben einzig die «NZZ am Sonntag» und der «Blick am Abend». Die
Sonntagszeitung aus dem Hause NZZ steigerte ihre Auflage minim um 0,5
Prozent. Sie beträgt neu 130'837. Die Gratispendlerzeitung von Ringier
legte um 1,4 Prozent auf 325'742 Exemplare zu. In
der Romandie haben ebenfalls praktisch alle grösseren bezahlten
Tageszeitungen an Auflagestärke eingebüsst. Steigern konnten sich einzig
die kleineren Blätter «La Côte» und «Quotidien Jurassien». Zudem hat
die Wochenzeitung «L'Hebdo» zugelegt.
Der Klimawandel
verringert den Sauerstoffgehalt der Meere und damit auch die mittlere
Größe vieler Fischarten - dies ist das Ergebnis einer Simulation vom
Jahr 2000 bis zum Jahr 2050. Die Tiere schrumpfen demnach noch stärker
als bislang angenommen - siehe auch Artikel über Korallenriffs vom 17. September 2012).
Der Klimawandel wird die Erde verändern. Daran zweifelt kaum
noch ein Wissenschaftler. Mehr Stürme hier, weniger Regen dort,
steigende Meeressspiegel - die Auswirkungen sind regional verschieden.
Indirekt beeinflusst der Klimawandel sogar die Größe von Fischen, wie
Forscher von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver
jetzt berichten. Makrelen: Lebensraum der Fische verlagert sich in Richtung der Pole
Der Klimawandel verringere den Sauerstoffgehalt der Meere und damit die
mittlere Größe vieler Fischarten, schreiben William Cheung und seine
Kollegen im Fachblatt "Nature Climate Change"
. Den betrachteten Effekten liegt die Tatsache zugrunde, dass wärmeres
Wasser weniger Gas aufnehmen kann, in diesem Fall weniger des
lebenswichtigen Sauerstoffs. Cheung und sein Team legten ihren Kalkulationen bekannte Klimamodelle
und Szenarien zugrunde, in einem Fall das sogenannte SRES A2-Senario,
das auch vom Weltklimarat (IPCC) verwendet wird. Dieses geht von einem
weiter steigenden Ausstoß von Treibhausgasen und einer damit verbundenen
Erhöhung der Temperatur auf der Erde aus.
"Wir haben die Veränderung des durchschnittlichen maximalen
Körpergewichtes für individuelle Fische und für Fischschwärme vom Jahr
2000 bis 2050 berechnet", schreibt Cheung. Die Temperaturen am
Meeresboden werden demnach um 0,029 Grad (Pazifik), 0,012 (Atlantik),
0,017 (Indischer Ozean), 0,038 (Antarktisches Meer) und 0,037
(Antarktisches Nordmeer) steigen, verbunden mit einem Rückgang der
Sauerstoffkonzentration. Obwohl die vorhergesagten Änderungen der Temperatur und des
Sauerstoffgehaltes gering zu sein scheinen, sind die Änderungen in der
maximalen Körpergröße unerwartet groß, notiert die Gruppe. Sie betragen
14 bis 24 Prozent. Die Hälfte dieses Effektes geht auf die Änderungen
der Verbreitungsgebiete der Fische zurück, heißt es in der Studie. Die
übrige Hälfte geht auf den Stoffwechsel zurück, der nicht nur bei
Fischen entscheidend vom Sauerstoffgehalt abhängt. Die Meeresgebiete in
den tropischen und mittleren Breitengraden werden den Ergebnissen
zufolge besonders stark betroffen sein.
Der vorhergesagte Rückgang ist am stärksten im Indischen Ozean (24
Prozent), gefolgt vom Atlantischen (20 Prozent) und dem Pazifischen
Ozean (14 Prozent). Die Simulation zeigt zudem, dass sich der Lebensraum
der Fische in Richtung der Pole verlagern wird, also in Richtung des
noch nicht so stark erwärmten Wassers. Das Team weist darauf hin, dass für seine Arbeit ein ganze Reihe von
Annahmen und Vereinfachungen nötig war, und dass die Studie daher einige
Unsicherheiten enthält. Dennoch zeige die Arbeit, dass der Einfluss der
Treibhausgase auf die marinen Ökosysteme größer sei als bisher
angenommen.
Bei den Fischen kämen noch die Überfischung und die
Umweltverschmutzung durch den Menschen hinzu, was den Tieren das Leben
zusätzlich erschwere - nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits
jetzt viele Bestände über die tolerierbaren Grenzen ausgebeutet. Dies
alles habe großen Einfluss auf die künftige Versorgung des Menschen mit
tierischem Protein, warnen die kanadischen Forscher.
Rauchen soll
nicht komplett aus den Restaurants verbannt werden. Volk und Stände
haben der Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen», die das Rauchen in
allen öffentlich zugänglichen Räumen verbieten wollte, eine Absage
erteilt. Rund 66 Prozent der Stimmenden sagten Nein. Das Schweizer
Stimmvolk gewichtet die Wahlfreiheit des Einzelnen höher als den Schutz
der Gesundheit. Rund 1'437'600 Stimmberechtigte legten ein Nein ein zur
Initiative, die ein schweizweit einheitliches Rauchverbot festschreiben
wollte. Rund 741'200 Stimmende sagten Ja. Nun können jene 18 Kantone,
die bediente Raucherabteile oder sogar Raucherbeizen erlauben, ihre
Gesetze belassen.
Selbst die Kantone mit den zurzeit strengsten
Anti-Raucher-Gesetzen lehnten das Volksbegehren mehrheitlich ab. Sie
zeigten in der Tendenz aber noch am ehesten Verständnis für das Anliegen
der Initianten um die Lungenliga. So lag der Nein-Stimmen-Anteil in
beiden Basel, Neuenburg oder der Waadt unter 65 Prozent. Und Genf sagte
als einziger Kanton sogar knapp Ja. Am deutlichsten gegen das
einheitliche Rauchverbot sprachen sich die Urner mit einem
Nein-Stimmen-Anteil von 77,9 Prozent aus. Auch in anderen Innerschweizer
Kantonen wie Nidwalden, Obwalden und Schwyz hatte das Volksbegehren bei
Nein-Stimmen-Anteilen von über 70 Prozent keine Chance. Die Argumente
der breiten Gegnerfront aus sämtlichen bürgerlichen Parteien, dem
Gewerbeverband oder dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hatten
offenbar überzeugt. Sie warnten während des Abstimmungskampfes vor
«Prohibition» und einem totalen Rauchverbot und sahen die persönliche
Freiheit des Einzelnen in Gefahr.
So führte beispielsweise die
Frage zu Diskussionen, ob bei einem Ja zur Initiative das Rauchen in
Einzelbüros ebenfalls verboten wäre. Die Initiativgegner nutzten das
Beispiel, um zu zeigen, dass das Volksbegehren definitiv zu weit gehe.
Die Initianten liessen darauf ein juristisches Gutachten erstellen, das
zum Schluss kam, Einzelbüros würden von der Initiative nicht tangiert. Der
Bundesrat, der die Initiative ebenfalls ablehnte, stellte sich auf den
Standpunkt, dass sich die erst seit 2010 geltende Gesetzgebung bewährt
habe. Er wollte eine seiner Meinung nach verfrühte Gesetzesänderung nach
nur zwei Jahren verhindern.
Selbst das Kostenargument der
Befürworter um die Lungenliga, die linken Parteien und weitere
Verbündete zog zu wenig. Mit strengeren Regeln liessen sich die
Gesundheitskosten pro Jahr um eine halbe Milliarde Franken senken,
machten die Initianten geltend. Mit Studien legten sie beispielsweise
dar, dass in mehreren Kantonen mit Rauchverboten weniger Personen wegen
akuten Herzinfarkten ins Spital eingeliefert werden mussten.
Seit
dem 1. Mai 2010 verbietet das Bundesgesetz das Rauchen in sämtlichen
Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder die mehreren Personen als
Arbeitsplatz dienen. Für das Gastgewerbe gelten Ausnahmen: Das Gesetz
erlaubt Fumoirs und kleine Raucherlokale, die nicht grösser sind als 80
Quadratmeter. Da das Gesetz als Mindeststandard gilt, können die Kantone
schärfere Regeln erlassen. Fünfzehn Kantone, in denen 77 Prozent der
Bevölkerung leben, haben dies getan und verbieten auch die
Raucherlokale. In acht dieser Kantone (BL, BS, FR, GE, NE, SG, VD, VS)
sind nicht einmal bediente Fumoirs erlaubt. Die restlichen 18 Kantone
(AG, AI, AR, BE, GL, GR, JU, LU, NW, OW, SH, SO, SZ, TG, TI, UR, ZG, ZH)
hätten bei einem Ja zur Initiative strengere Regeln einführen müssen.
Sie erlauben heute in Restaurants entweder bediente Raucherabteile,
sogenannte Fumoirs, oder Raucherbeizen. (Weitere Informationen)
Wohneigentümer
müssen den Eigenmietwert weiterhin versteuern – auch wenn sie das
Rentenalter erreicht haben. Volk und Stände haben die Initiative
«Sicheres Wohnen im Alter» des Hauseigentümerverbandes knapp abgelehnt.
52,6 Prozent der Stimmenden sagten Nein. Gegen die Initiative sprachen
sich rund 1'125'400 Stimmberechtigte aus. Ja sagten 1'013'900 Personen.
Am deutlichsten lehnten die Stimmenden in den Kantonen Basel-Stadt und
Waadt das Volksbegehren ab, mit einem Nein-Stimmen-Anteil von jeweils
rund 64 Prozent. Am meisten Zustimmung erhielt die Initiative in
den Kantonen Glarus und Schaffhausen mit über 55 Prozent. Ja sagten auch
die Kantone Aargau, Thurgau, Solothurn, St. Gallen, Schwyz, Appenzell
Ausserrhoden, Tessin sowie – als einziger Westschweizer Kanton – Genf.
In der Mehrheit der Kantone resultierte jedoch ein Nein.
Die
Musik erhält ihren Platz in der Verfassung. Das Stimmvolk hat mit 72,7
Prozent Ja-Stimmen die Musikbildungsförderung durch den Bund und die
Kantone wie erwartet deutlich gutgeheissen. Bund und Kantone müssen nun
den Zugang zur Musik verbessern. In allen Kantonen hiessen die
Stimmenden den Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung mit über 55
Prozent gut. Am höchsten fiel die Zustimmung in den beiden
Stadtkantonen Genf und Basel-Stadt mit jeweils 82 Prozent Ja-Stimmen
aus. Am wenigsten Zustimmung erhielt das Anliegen in der
Zentralschweiz sowie in den beiden Appenzell. Schwyz sagte mit 56
Prozent Ja, in Nidwalden, Uri und Appenzell Innerrhoden lag die
Zustimmung bei 57 Prozent, in Appenzell Ausserrhoden bei 63 Prozent. In
der Tendenz lag der Ja-Stimmen-Anteil in der Westschweiz und im Tessin
höher als in der Deutschschweiz. 1'551'900 Personen legten ein Ja ein,
583'300 ein Nein.
Der neue Verfassungsartikel 67averpflichtet die
Kantone nun, schweizweit geltende Bildungsziele für die Musik in den
Schulen zu formulieren. Der Bund soll zudem zusammen mit den Kantonen
Grundsätze für den Zugang zu Musikangeboten in der Freizeit festlegen
und die Förderung der Hochbegabten verbessern. Die Harmonisierung
der Ziele in der Musikbildung ist laut Erziehungsdirektorenkonferenz
(EDK) aber unabhängig von der Initiative bereits im Gang. 2014 sollen
die Arbeiten beendet sein. Könnten sich die Kantone doch nicht einigen,
müsste der Bund eingreifen. In der Schule soll der Artikel für
einen besseren Unterricht und in der Freizeit für einen erschwinglichen
Zugang zu Musikschulen sorgen, sodass Orchester, Blasmusiken oder
Jodelclubs auf besser ausgebildete junge Musikanten zählen können. (Weitere Informationen)
Korallen wachsen
langsam - auf die schnelle Erwärmung der Meere können sie sich deshalb
kaum einstellen. Eine Analyse von weltweit 2000 Standorten zeigt nun,
welch gravierende Probleme drohen, auch wenn sich die Korallen immer wieder als anpassungsfähig erwiesen haben.
Die weltweiten Klimaverhandlungen kommen seit Jahren nicht entscheidend voran. Das Ziel, die vom Menschen verursachte Erderwärmung
auf zwei Grad zu begrenzen, wird damit immer schwieriger zu erreichen.
Viele Menschen haben diese Nachricht mittlerweile schon oft gehört. Doch
was das für die Ökosysteme der Erde bedeutet, wird dabei längst nicht
immer klar - zumal, wenn es um Probleme in den Weiten der Weltmeere
geht.
Eine neue Übersichtsstudie, für die sich Forscher um Katja Frieler vom
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die wichtigsten Korallenriffe
der Weltmeere angesehen haben, zeigt schlaglichtartig die dramatischen
Folgen des Klimawandels - und der Unfähigkeit der Staaten, zu
Ergebnissen beim Klimaschutz zu kommen. Die globale Erwärmung könnte
demnach bis 2030 rund 70 Prozent aller Korallenstandorte langfristig
schädigen, falls sich die Korallen nicht doch noch anpassen können. Doch
danach sieht es nicht aus.
Massive Probleme bestünden sogar in dem den Fall, dass der
Treibhausgasausstoß kurzfristig stark reduziert werde, so die Forscher.
Um wenigstens die Hälfte der Korallenriffe weltweit zu schützen, müsse
die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad begrenzt werden, schreiben die
Forscher im Fachjournal "Nature Climate Change". Angesichts der bisherigen Ergebnisse der Klimadiplomatie ein beinahe aussichtsloses Ziel.
Mit 19 verschiedenen Klimamodellen hatten die Frieler und ihre
Kollegen den Wärmestress an 2160 Korallenstandorten weltweit simuliert.
Kurzfristig können Korallen höhere Temperaturen vertragen - aber
langfristig gefährden diese ihr Überleben. Wenn die Symbiose aus Korallen und Mikro-Algen,
von denen die Korallen einen Großteil ihrer Energie und auch ihre Farbe
erhalten, zusammenbricht, sprechen Forscher von einer sogenannten
Korallenbleiche. Immer wieder gibt es Berichte über großflächiges Auftreten solcher Probleme.
Andererseits ist die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von Korallen belegt. So überstanden Steinkorallen etwa das schlimmste Massenaussterben der Erdgeschichte vor 251 Millionen Jahren am Ende des Perm.
Damals starben 95 Prozent aller Arten von Meerestieren aus. Die Frage
ist nur, ob den Korallen genug Zeit für die Anpassung an steigenden
Temperaturen bleibt - zum Beispiel, indem sie mit wärmeresistenteren
Algen eine Symbiose eingehen. "Aber das wissen wir noch nicht genau.
Selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen stark vermindert würde,
müssten mögliche Anpassungsmechanismen sehr schnell wirken", sagt
Forscherin Katja Frieler.
Korallen haben lange Lebenszyklen von 5 bis 100 Jahren. "Sie sind
nicht wie Fruchtfliegen, die sich viel schneller evolutionär entwickeln
können", warnt Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland in
Australien, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.
Neben der Temperaturentwicklung stellt die Ozeanversauerung einen weiteren Risikofaktor für die Korallen dar. Meerwasser wird saurer, wenn es Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt - dies stört möglicherweise die Kalkbildung der Korallen.
"Die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf die Empfindlichkeit der
Korallen gegenüber der Erwärmung der Ozeane sind zwar noch umstritten.
Aber in unserem Simulationen wären dann 2030 auch bei starken
Emissionsreduktionen sogar 86 Prozent aller Korallenriffe geschädigt",
sagt Katja Frieler.
Auch die wachsende Verschmutzung der Meere,
etwa durch Einleitung von Nährstoffen, könne den Trend noch zusätzlich
negativ beeinflussen. Langfristig werde sich die Artenzusammensetzung
der Riffe voraussichtlich ändern, glaubt Frieler. Es werden sich jene
Korallen behaupten, die weniger wärmeempfindlich sind. "Aber wie lange
diese gegenüber weiter steigenden Temperaturen resistent sind, wissen
wir nicht."
Das Schweizer Bruttoinlandprodukt
(BIP) ist vom ersten auf das zweite Quartal 2012 um 0,1 Prozent
zurückgegangen. Positive Impulse kamen vom Konsum: Private und Staat
gaben mehr Geld aus.
Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2012 gegenüber dem
Vorquartal um 0,1 Prozent geschrumpft. Hauptverantwortlich dafür waren
die Exporte. Ökonomen sehen die Schweiz am Rand einer Rezession oder
zumindest vor einer deutlichen Konjunkturdelle. Im zweiten Quartal
2012 sanken die konjunkturrelevanten Warenexporte ohne Wertgegenstände
wie Preziosen, Edelmetalle und Kunstgegenstände um 0,7 Prozent, wie das
Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mitteilt. Dabei war die
Mehrzahl der Sektoren rückläufig. Einzig die Ausfuhr von Uhren,
Päzisionsinstrumenten und Fahrzeugen wuchs. Die Exporte von
Dienstleistungen sanken um 0,9 Prozent. Die Warenimporte
schrumpften um 0,5 Prozent primär wegen den Fahrzeugen. Chemikalien,
Maschinen, Apparate und Elektronik verzeichneten einen Anstieg.
Dienstleistungsimporte stiegen um 1,8 Prozent.
In
der Produktion sank die Wertschöpfung in der Industrie um 1,1, im
Handel um 0,7 und und damit verbunden bei den Finanzdienstleistungen um
0,8 Prozent. Das Baugewerbe profitierte weiterhin vom Boom und steigerte
sich um 1,5 Prozent. Dabei stieg die Wertschöpfung bei
freiberuflichen, wissenschaftlichen und ähnlichen Dienstleistungen um
0,5 Prozent. Der öffentliche Sektor legte um 0,7 und das
Gesundheitswesen um 0,2 Prozent zu.
Die Inlandinvestitionen
stagnierten. Wegen der Kältephase im Februar kam es im ersten Quartal zu
einem Rückgang der Bauinvestitionen, der im zweiten Quartal teilweise
aufgeholt wurde. Die Bauinvestitionen stiegen um 1 Prozent. Die
Ausrüstungsinvestitionen hingegen sanken gegenüber dem Vorquartal um 0,9
Prozent. Negativ entwickelten sich Maschinen- und Fahrzeugindustrie.
Die
privaten Konsumausgaben stiegen im zweiten Quartal noch um 0,3 Prozent.
Dazu trugen die Ausgaben für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere
Brennstoffe sowie Gesundheitspflege und Verkehr bei. Die Konsumausgaben
des Staates und der Sozialversicherungen expandierten kräftig um 1
Prozent.
Letztmals war das BIP im dritten Quartal 2011 gegenüber
dem Vorquartal rückläufig, und zwar um revidierte 0,2 Prozent. Das BIP
wuchs darum 2012 um 1,9 und nicht um 2,1 Prozent. Im ersten Quartal 2012
wuchs das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,5 statt um 0,7 Prozent, wie
zuvor gemeldet. David
Marmet, Spezialist für Schweizer Ökonomie bei der Zürcher Kantonalbank,
hob auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda hervor, dass das Secodie BIP-Zahlen auch für vorhergehende Quartale senkte. Der aktuelle Rückgang sei aber erstaunlich früh gekommen. Die
Schweiz sei definitiv keine Insel der Seligen mehr. Die
Binnenwirtschaft sei zwar noch robust, bald werde sich aber die
Exportschwäche durchschlagen. Schon jetzt sei das Wachstum des
Privatkonsums gegenüber dem Vorquartal um zwei Drittel abgesackt.
Die
Haupthandelspartner Deutschland und Frankreich schwächelten, angesichts
der Ermüdungserscheinungen in Fernost werde ein Ausweichen für die
Exportindustrie schwieriger. Im dritten Quartal wäre ein weiterer
BIP-Rückgang möglich und die Schweiz könnte in eine technische Rezession
fallen. Janwillem
Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, teilt diese Einschätzung. Er
schraubt seine Prognose für 2012 aufgrund der neuen Zahlen von 1,6 auf
0,5 bis 1 Prozent BIP-Wachstum zurück. Anpassungen der Wachstumszahlen
aufgrund der Gesamtrechnung gebe es immer, diesmal seien sie aber stark,
kommentierte er. Die Exporte seien stärker gesunken als erwartet.
Die Eurorezession werde immer spürbarer. Die Investitionen stagnierten
und der Bau zeige Ermüdungserscheinungen.
Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat seine Lohnforderungen
für das kommende Jahr publik gemacht: 1,5 bis 2,5 Prozent mehr Lohn
sollen die Arbeitgeber den Angestellten bezahlen.
Die Lohnerhöhungen
sollen zudem generell ausgerichtet werden, fordert der SGB.
Die
Individualisierung der Lohnpolitik habe im Ergebnis nur den
Arbeitnehmern mit hohen und sehr hohen Einkommen genützt, hiess es in
einem Communiqué. Einzig die Rückkehr zu generellen Erhöhungen könne
diese Fehlentwicklung der letzten Jahre korrigieren, wird SGB-Präsident
Paul Rechsteiner zitiert.
Bezeichnet die Individualisierung der Löhne als Fehlentwicklung: SGB-Präsident Rudolf Rechsteiner am vergangenen 1. Mai. (Bild: Keystone)
Nachholbedarf
sehen die Gewerkschaften insbesondere bei den Löhnen von Frauen. Im
Verkauf beispielsweise betrage die Lohndifferenz zu Ungunsten der Frauen
immer noch 18 Prozent. Die SGB-Gewerkschaften verlangen daher, dass die
gesetzlich garantierte Lohngleichheit endlich umgesetzt wird. Dazu
brauche es verbindliche Mindestlöhne und spezielle Lohnerhöhung für
Frauen.