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Sonntag, 2. Juni 2013

SNB würde kleine Banken fallen lassen

Kommt der Steuerdeal mit den USA durch, könnte das für kleinere Banken ruinöse Bussen nach sich ziehen. Unterstützung von der Nationalbank dürften sie dann nicht erwarten.

«Die Nationalbank hat nicht die Aufgabe, Banken zu retten, wenn sie insolvent sind», sagt Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Genau das könnte aber passieren, wenn der letzte Woche vom Bundesrat vorgestellte Steuerdeal mit den USA in Kraft tritt.
Denn der Deal sieht Bussen vor, die kleinere Banken ruinieren könnten. Sollte es so weit kommen, wäre die Nationalbank nicht bereit, Institute zu retten, wie Jordan weiter sagt. 2008 griff die Nationalbank der UBS unter die Arme. Doch diese ist systemrelevant. Kleinere Banken, die durch den Steuerstreit mit den USA gefährdet sein könnten, erfüllen diese Bedingung nicht. «Das Mandat der Nationalbank ist klar: Wir müssen zur Systemstabilität beitragen», so Jordan zur Zeitung.

Politisch ist der Steuerdeal, für den Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf wirbt, hoch umstritten. Das Parlament wird nächste Woche in der Sommersession darüber beraten, ohne den genauen Inhalt des Gesetzes zu kennen, das finden viele Politiker inakzeptabel. Auch in der Wirtschaft lässt das Abkommen die Wogen hoch gehen: Erst gestern hat der Angestelltenverband KV Schweiz beschlossen, aus dem Gesamtarbeitsvertrag mit den Banken auszusteigen. Er fürchtet um den Schutz der Bankangestellten. 

Der Eidgenössische Datenschützer hingegen ist erstaunt ob der Kritik der Politiker an der Lösung des Bankenstreits. Für Hanspeter Thür ist zentral, dass bei der Übergabe von Mitarbeiterdaten an die USA Schweizer Recht respektiert wird, wie er gegenüber Radio SRF sagte. Dieser Punkt werde im Gesetzesvorschlag umgesetzt, erklärte er.

Die Mitarbeitenden müssten gemäss Entwurf vorgängig über Umfang und Lieferung der Daten informiert werden. Und sie erhielten die Möglichkeit, gerichtlich gegen die Datenherausgabe vorzugehen. Die Kritik von Politikerinnen und Politikern am Eilverfahren, mit welchem die Lösung des Bankenstreits vom Parlament gebilligt werden sollte, und ihrer Forderung nach mehr Details aus dem Programm der USA sei nicht angebracht. Das Programm richte sich schliesslich an Banken, «die sich möglicherweise strafbar gemacht haben», die amerikanisches Recht verletzt hätten, sagte Thür. «Die Banken sind frei, sich diesem Programm anzuschliessen oder nicht», sagte er. Der Vorschlag beinhalte keine Verpflichtung. 

Quelle: Tages-Anzeiger Online 2.6.13

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Montag, 13. Mai 2013

Rostfrei - ein typisches KMU

Das Metall- und Stahlhandelsunternehmen Pestalozzi in Dietikon gehört zu den ältesten Firmen der Schweiz Einst verkaufte Eisenhändler Johann Heinrich Wiser beim Fraumünster in Zürich Hufeisen und Wagenräder. Das war 1763. Das daraus entstandene Metall- und Stahlhandelsunternehmen Pestalozzi in Dietikon beschäftigt heute rund 300 Angestellte.  

Man mag vielleicht die bevorzugte Freizeitbeschäftigung des feingliedrigen Mannes mit der Fliege und der bedächtigen Art erraten – aber den Beruf, den sieht man Dietrich Pestalozzi nicht an. Dabei leitet er, wenn er sich nicht gerade der Kammermusik widmet, seit einem Vierteljahrhundert die Geschicke des Metall- und Stahlhandelsunternehmens Pestalozzi in Dietikon. Der Familienbetrieb gehört mit seinen 250 Jahren zu den ältesten Unternehmen in der Schweiz. 

Die Produkte der Pestalozzi + Co AG werden zu Türen, Fenstern und Geländern verarbeitet oder beim Bau von Dächern, Fassaden und Wasserleitungen eingesetzt. Sie verbergen sich in den Brandschutztüren im Prime Tower oder auf dem Dach der Tramhaltestelle Bellevue in Zürich. Nur wenige Schritte von ebendieser Haltestelle entfernt hatte Johann Heinrich Wiser im Jahr 1763 den Grundstein für das Unternehmen mit heute rund 300 Mitarbeitenden gelegt. Der Eisenhändler verkaufte in einer Seitengasse beim Fraumünster Stab- und Zauneisen, Wagenräder, Hufeisen und Öfen. Mit dem Münsterhof als Marktplatz und der Limmat als Route für den Materialtransport befand er sich an idealer Lage. Der Name Pestalozzi hielt 1850 in der Firma Einzug – und stellte eine entfernte verwandtschaftliche Verbindung zwischen dem Eisenhändler und dem Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi her. 

Im 19. Jahrhundert sorgte die Industrialisierung und damit verbunden der Bau von Dampfmaschinen und Eisenbahnen für florierende Geschäfte. Nach den beiden Weltkriegen wuchs das Unternehmen dank dem Bauboom bis zur Ölkrise 1973 ebenfalls weiter. Inzwischen hatte die Firma ihren Sitz nach Wollishofen verlegt – der denkmalgeschützte Schriftzug von Max Bill am Firmengebäude an der Seestrasse erinnert noch heute an den einstigen Standort. 1981 zog das Unternehmen schliesslich nach Dietikon. 

Als sich im Anschluss an die Ölkrise auch in den achtziger Jahren keine Verbesserung der Geschäftslage abzeichnete, schlug die Firma den Weg einer stärkeren Spezialisierung ein. «Bis dahin hatte sich unser Sortiment von demjenigen anderer Eisen- beziehungsweise Stahlhändler kaum unterschieden», erzählt der 64-jährige Pestalozzi, der die Geschäftsleitung im kommenden Jahr seinem Sohn Matthias übergeben wird. 

Zum Angebot gehörten, neben den Produkten, die der Betrieb noch heute führt, etwa auch Armierungsstahl oder Schrauben. Wie die Konkurrenz begann Pestalozzi + Co zudem damals, andere Firmen aufzukaufen oder sich an diesen zu beteiligen. Man sei aber, vielleicht aus Furcht davor, bewährte Kunden mit Neuerungen vor den Kopf zu stossen, zu vorsichtig bei der Integration der Akquisitionen gewesen, sagt der passionierte Kontrabass-, Klavier- und Akkordeonspieler heute. Dadurch hätten lange Doppelspurigkeiten bestanden. Inzwischen gehört zur Pestalozzi-Gruppe neben dem Hauptbetrieb in Dietikon nur noch eine Tochtergesellschaft. 

Der Umsatz der Firma Pestalozzi geriet in den vergangenen Jahren erneut unter Druck und sank zwischen 2008 und 2012 von 188 auf 160 Millionen Franken. Matthias Pestalozzi, dessen Grossonkel Fred Pestalozzi zu Beginn der sechziger Jahre in Herrliberg die Firma Bio-Strath gründete, sieht den Hauptgrund für die Schwierigkeiten der Branche in der Euro-Krise beziehungsweise dem starken Franken. So hätten Kunden von Pestalozzi aus der Maschinenbau- und Zulieferindustrie zunehmend Mühe, ihre Produkte im europäischen Ausland abzusetzen. Und im Bausektor seien Preisniveau beziehungsweise Marge trotz guter Nachfrage ebenfalls unter Druck geraten. In den von ihm bearbeiteten Geschäftsfeldern hat das Unternehmen laut Pestalozzi aber nach wie vor sehr gute Marktpositionen. 

Die Strategie der Spezialisierung soll künftig noch konsequenter umgesetzt und der Service fortlaufend verbessert werden, wie der 34-jährige Physiker und künftige Alleininhaber der Firma sagt. Zum Dienstleistungspaket gehören bereits heute nach Mass gefertigte Halbfabrikate, etwa fertig zugeschnittene und vorbereitete Teile für Brandschutztüren. Denn wer sich als Experte für Metall und Stahl so lange im Geschäft hält, hat eines ganz bestimmt verinnerlicht: Wer rastet, rostet. 

Quelle: NZZ 13.5.13

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Sonntag, 12. Mai 2013

Schweiz droht Hypotheken-Desaster

40 Prozent der neuen Hypotheken gehen an Kunden, die gemäss einer Nationalbank-Studie einen starken Zinsanstieg nicht verkraften. Für UBS-Chef Sergio Ermotti ist das Risiko für einen solchen Zinsschub hoch.

Die Banken spielen bei der Vergabe von Hypotheken mit dem Feuer. Dies zeigt eine Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei den 25 grössten Schweizer Hypobanken. Demnach werden bei 20 Prozent der Neuhypotheken die Immobilien zu mehr als 80 Prozent belehnt. Zudem gehen 40 Prozent der Hypotheken an Kunden, die einen Anstieg der Hypozinsen auf 5 Prozent finanziell nicht verkraften könnten, berichtet der «SonntagsBlick» (Artikel online nicht verfügbar). Die Tragbarkeit von Hypothekenschulden ist in der Regel so berechnet, dass ein Kunde bei Zinsen von 5 Prozent nicht mehr als einen Drittel seines Haushaltseinkommens für die Zinszahlungen aufwenden muss. 

Die Resultate sind laut dem «SonntagsBlick» vertraulich, doch SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine habe sie kürzlich in einer Rede öffentlich gemacht. Die Zahlen fänden sich in der Fussnote in einem SNB-Papier. Danthine forderte angesichts der grossen Risiken vor seinen Zuhörern plakativ: «Anschnallen bitte.» UBS-Immobilienspezialist Matthias Holzhey zeigt sich «überrascht» über die Zahlen. Für Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes (HEV), decken sich die SNB-Resultate mit eigenen Beobachtungen. «Die Banken schwören zwar Stein und Bein, dass sie sich an die inoffizielle Normen halten. Aber am Markt stellen wir anderes fest.» Gmür berichtet im «SonntagsBlick» von Beispielen, bei denen die Banken die Wohnungen höher bewerten. So können sie auch höhere Hypotheken gewähren, ohne die 80-Prozent-Belehnungsgrenze zu überschreiten. Gmür glaubt, dass irgendwann «das grosse Erwachen» komme. «Aber bis dann werden noch einige Jahre ins Land ziehen», gibt sich der Präsident des Hauseigentümerverbands überzeugt.

UBS-Chef Ermotti warnt hingegen vor einem schnellen Ende der Tiefzinsphase. «Eines der grössten Risiken aus heutiger Sicht ist eine abrupte Trendwende bei den Zinsen», sagte er gegenüber der «NZZ am Sonntag». Höhere Zinsen würden zwar der UBS nützen, aber für die Investoren bleibe im Falle einer jähen Zinswende nur wenig Zeit, sich auf die neue Situation umzustellen. Ermottis Prognose ist beunruhigend: «Wenn die Zinsen steigen, werden sie sehr rasch steigen.» 

Quelle: Tages-Anzeiger 12.5.13

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Montag, 6. Mai 2013

Reich werden mit Google

Wird der Begriff «Schulden» oft gegoogelt, fallen die Kurse. Das fand ein britischer Finanzprofessor heraus. Und wie fällt die Rendite mit entsprechender Anlagestrategie aus? 

Was macht der Anleger, bevor er sich eine Aktie kauft? Man möchte hoffen, dass er sich zunächst informiert. Und wenn er das macht – wo macht der moderne Sparer das vornehmlich? Im Internet. Bei Google. Drei Wissenschaftler haben sich diesen Umstand zunutze gemacht und die Häufigkeit analysiert, mit der Internetnutzer bestimmte Suchwörter googeln, darunter etwa die Begriffe Krise, Schulden, Investieren, Geld und Kredit. Man wollte herausfinden, ob sich aus diesen Daten die künftige Börsenentwicklung ableiten liesse. 

Tobias Preis (31) ist einer der Forscher, die das Experiment durchgeführt haben. Der Finanzprofessor der britischen Universität Warwick nahm sich die Google-Daten der Jahre 2004 bis 2011 vor. «Wenn etwa für den Begriff ‹Schulden› in den Suchanfragen zugenommen haben, haben wir darauf gewettet, dass der Dow-Jones-Index fällt», sagt Preis. Diese Aktienposition wurde nach einer Woche verkauft. Wenn sich die Anzahl der Suchanfragen für «Schulden» verringert hat, haben Preis und seine Kollegen eine sogenannte Long-Position für eine Woche aufgebaut – sprich: Sie haben Aktien gekauft, um diese sieben Tage später wieder zu verkaufen. 

Hintergrund ist die Annahme, dass Menschen, die nach möglichen Gefahren für die Finanzmärkte googeln – etwa zu hohe Schulden von Unternehmen oder Staaten –, nach längerer Überlegung ihre Aktien auch verkaufen werden, was den Aktienmarkt insgesamt belastet. «Wir haben gesehen, dass dem Herdentrieb an den Börsen ein Herdentrieb bei der Informationsbeschaffung vorausgeht», sagt Preis.  Die Untersuchung bezog sich auf US-Internetnutzer. Die Wissenschaftler kreierten einen Index, der sich aus der Anzahl der Erwähnungen eines Begriffes in der «Financial Times» und in allgemeiner Literatur ergab. Ergebnis: Die Häufigkeit von Google-Suchanfragen für bestimmte Begriffe erlaubt Aussagen zur Renditeerwartung.
 
Preis und Kollegen haben berechnet, wie erfolgreich sie mit ihrer Strategie gewesen wären: Zwischen 2004 und 2011 hätten sie am US-Aktienmarkt (Dow-Jones-Index) einen Profit von 326 Prozent gemacht. Gerade in den Jahren der Finanzkrise, so zeigt das Ergebnis, wäre dieser Ansatz also überaus erfolgreich gewesen. Allerdings sind die Finanzmärkte voll mit Angeboten mit dem «todsicheren Investmentsystem». Preis weiss das und gibt sich bescheiden. «Das ist keinesfalls eine Anleitung, um reich zu werden», sagt er. Allerdings erhalte man einen Einblick in die Entscheidungsprozesse der Menschen beim Aktienkauf. «Kurseinbrüchen an den Finanzmärkten gehen Phasen grosser Sorge unter den Investoren voraus. In diesen Phasen suchen Anleger nach zusätzlichen Informationen, bevor sie handeln», sagt Preis. Die Menschen hätten gerade vor dem Aktienverkauf – der Verluste bringt – ein riesiges Bedürfnis nach Informationen. Die verhaltensorientierte Finanzforschung spricht vom Phänomen der «Verlust-Aversion». Niemand gesteht sich gerne Fehler ein. 

Quelle: Tages-Anzeiger 6. Mai 2013

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Montag, 8. April 2013

Google lanciert Youtube-Kanal

Für Schweizer Künstler und Hobbyproduzenten eröffnen sich neue Verdienstmöglichkeiten. Das Partnerprogramm ist bald auch in der Schweiz möglich. Ungeklärt ist immer noch die Urheberrechtsfrage. 

Die Videoplattform Youtube des amerikanischen Internetkonzerns Google (GOOG 602.01 0.92%) lanciert ihr Partnerprogramm, das es bereits in 20 Ländern gibt, in den nächsten Tagen in der Schweiz. 

Das schreibt die «NZZ am Sonntag» (Print, online nicht verfügbar). Damit erhalten Künstler und Hobbyfilmer neue Verdienstmöglichkeiten: Google teilt die Werbeeinahmen mit den Produzenten der Webvideos. Weltweit zählt das Partnerprogramm rund eine Million Teilnehmer. 

Zudem wird Youtube eine eigene Länderseite eröffnen. Interesse an dem Angebot zeigen auch Unternehmen und Fernsehsender. Noch ungelöst ist die Urheberrechtsfrage für Videos von Musikern, wie die «NZZ am Sonntag» weiter schreibt. Google hat sich bisher nicht mit der Verwertungsgesellschaft Suisa einigen können. 

Siehe auch nachstehendes Beispiel eines gratis geladenen Youtube-Films zum Thema Solarenergie:




Quelle: Agenturen / Solarmedia

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Montag, 25. März 2013

Jahresabschluss einer Firma - MB

Der Solarkonzern Meyer Burger hat 2012 aufgrund der Solarkrise einen massiven Umsatzeinbruch und einen Verlust erlitten. Der Verlust belief sich auf 115,9 Millionen Franken, nachdem im Jahr zuvor noch ein Gewinn von 35,8 Millionen Franken resultiert hatte. Für das laufende Jahr revidiert der Thuner Solarzulieferer seine Ziele deutlich - und kündigt eine Kapitalerhöhung an.


Der Umsatz halbierte sich im Geschäftsjahr 2012 auf 645,2 Millionen Franken, wie der Hersteller von Spezialsägen für Siliziumblöcke und Maschinen zur Solarpanel-Produktion mitteilte. Der operative Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug 33,2 Millionen CHF. Das Unternehmen spricht von einem sehr schwierigen Marktumfeld für die Solarindustrie im Berichtsjahr. Nach einem halben Jahrzehnt äusserst starken Wachstums und hoher Profitabilität habe man einen starken Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Mit den eingeleiteten und grösstenteils bereits umgesetzten Kostensenkungsmassnahmen will Meyer Burger die Kosten um rund 50 bis 60 Millionen Franken drücken.

Im März und November 2012 lancierte Meyer Burger zwei umfassende Optimierungs- und Konzentrationsprogramme. Nach einer ersten Restrukturierungswelle im Frühling kündigte das Unternehmen im November den Abbau von weiteren 270 Stellen an. Ende Dezember belief sich der Personalbestand noch auf 2186 Vollzeitstellen und lag damit 22 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Zudem sei auch der Anteil an temporären Mitarbeitenden von 267 auf 79 Stellen reduziert worden, heisst es in der Mitteilung. Trotzdem stiegen wegen der Vollkonsolidierung der deutschen Roth & Rau die Personalkosten.

Um die Bilanz und Liquidität der Gruppe weiter zu stärken, hat der Verwaltungsrat beschlossen, der Generalversammlung vom 25. April eine Kapitalerhöhung für einen Mittelzufluss von 150 Millionen Franken brutto zu beantragen. Ein Bankensyndikat habe sich verpflichtet, sämtliche neuen Aktien unter Vorbehalt von marktüblichen Bedingungen fest zu übernehmen. Die neuen Titel würden den bisherigen Aktionären unter Wahrung des Bezugsrechts zur Zeichnung angeboten.  

Im Markt wurde schon seit Langem über eine Kapitalerhöhung gemunkelt, und im Interview mit cash vor zwei Monaten schloss Meyer-Burger-CEO Peter Pauli eine solche Massnahme erstmals nicht mehr aus. Nun muss das Unternehmen die Bilanz und die Liquidität der Gruppe tatsächlich stärken. Deshalb habe der Verwaltungsrat beschlossen, der Generalversammlung eine Kapitalerhöhung zu beantragen. Der Bezugspreis für die neuen Aktien, die finale Anzahl zu emittierender Aktien und das Bezugsverhältnis würden unmittelbar vor der Generalversammlung festgelegt und am Morgen des 25. April 2013 bekannt gegeben.

 Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 400 Millionen Franken. Der grössere Teil davon werde in der zweiten Jahreshälfte anfallen. Die Aufträge sollten dank einer sich abzeichnenden Markterholung deutlich höher ausfallen als 2012. Doch Umsätze aus neuen Aufträgen, die im Berichtsjahr 2013 erteilt werden, kommen nach Unternehmensangaben wohl eher in der zweiten Jahreshälfte 2013 beziehungsweise erst Anfangs 2014 zum Tragen.

Quelle: Diverse Agenturen 

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Montag, 14. Januar 2013

Entzückende Kurven

1.22 Franken pro Euro und mehr: Endlich kommen von der Währungsfront gute Nachrichten. Für die Nationalbank wird die Lage immer komfortabler. Hinter dem erstarkten Euro stehen mehrere Gründe.
   
Der «Risk-On»-Modus ist zurückgekehrt: Broker an der Frankfurter Börse. (Bild: Keystone)
 
Auf den Finanzmärkten kann es manchmal schnell gehen. Kaum zwei Wochen alt ist das Jahr 2013. Und bereits zeichnet sich eine Verschiebung im Währungsgefüge ab. Die helvetische Währung verliert im Vergleich zum Euro an Wert – und zwar rapide. Innerhalb der letzten vier Tage stieg der Eurokurs von rund 1.2090 auf gegen 1.2250 Franken (stand um 11 Uhr am Montagmorgen). Das hilft unter anderem der Schweizer Exportwirtschaft, deren Produkte für ausländische Käufer günstiger werden. Für sie ist die Einschätzung von CS-Währungsstratege Marcus Hettinger verheissungsvoll. Hettinger hält den aktuellen Anstieg keineswegs für ein Strohfeuer. Im Gegenteil, so der Ökonom zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Der Franken hat weiteres Abschwächungspotenzial.»

Wenn sie keine Luftsprünge machen, so dürften die Verantwortlichen bei der Nationalbank heute zumindest mit Genugtuung auf die Finanzbildschirme schauen. Seit September 2011 halten sie die Aufwertung des Frankens durch unlimitierte Interventionen beim Kurs von 1.20 in Schach. Der Job ist bereits seit August des letzten Jahres spürbar einfacher geworden, nun verbessert sich die Ausgangslage erneut. Heute Morgen veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Devisenreserven der SNB (SNBN 1070 2.10%) zuletzt sogar leicht gefallen sind (von 427,4 Milliarden Franken per Ende November auf 427,2 Milliarden per Ende Dezember). «Die stiere Schweizer Zentralbank geht ‹All In›»: Szenarien gigantischer Devisenverluste, wie sie von Wirtschaftsmedien wie dem «Wall Street Journal» nach wie vor heraufbeschworen werden, verlieren fürs Direktorium um Thomas Jordan zunehmend an Relevanz.

Die Schwächung des Frankens ist nicht auf innerschweizerische Entwicklungen zurückzuführen. Es ist die internationale Makrokonstellation, die der Nationalbank momentan in die Hände spielt. Zentral ist die optimistischere Einschätzung der Finanzmarktteilnehmer in Bezug auf die Eurozone, wie Marcus Hettinger sagt: «Der übertriebene Pessimismus hat sich abgeschwächt.» Die abnehmende Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone würde bedeuten, dass einer der zentralen Gründe wegfällt, der die Aufwertung des Frankens im Zuge der Krise ursprünglich ausgelöst hat. Auch, dass die USA ihre Fiskalklippe mehr oder weniger erfolgreich umschifft haben, trägt laut Hettinger zum aktuellen Optimismus bei. «Der Risikoappetit im Markt hat zugenommen», so der Währungsstratege der Credit Suisse.

Im Vergleich zur US-Währung stieg der Euro seit Donnerstag von 1.31 auf 1.33 Dollar. Ähnliche Bewegungen sind relativ zum britischen Pfund und zum Yen auszumachen. Auslöser dafür war eine Entscheidung, welche der Rat der Europäischen Zentralbank letzte Woche einstimmig gefällt hat. «Entgegen einzelner Erwartungen», so Hettinger, hat die EZB die Leitzinsen nicht gesenkt. Dies deutet zum einen darauf hin, dass auch innerhalb von Europas Notenbank wieder optimistischer in die Zukunft geblickt wird. Andererseits wird für Anleger das Investieren in der Eurozone dadurch attraktiver. Sinkende Renditen auf italienische oder spanische Anleihen zeigten über die letzten sechs Monate an, dass die Furcht vor dem Geldverlust in Europa bei Investoren abgenommen hat.

Aus der Schweiz gab das Seco am Freitag bekannt, dass die Preise 2012 um durchschnittlich 0,7 Prozent gesunken sind. Diese Preisdeflation war von Beobachtern nicht in diesem Ausmass erwartet worden. Wer zuletzt am Ansinnen der SNB zweifelte, die Untergrenze möglicherweise bald aufzuheben, sah sich erneut eines Besseren belehrt. Sinkende Preise sind ein wichtiger Grund für die Nationalbank, an der Schwelle von 1.20 Franken zum Euro festzuhalten», sagt Marcus Hettinger. Weil sie mit hohen Risiken verbunden wäre, bleibt eine Anhebung der Grenze laut dem Währungsexperten aber kein Thema. Den fairen Wert des Euro sieht die Credit Suisse bei 1.35 Franken; im Ausblick bis Ende 2013 prognostiziert sie einen Anstieg des Euro auf 1.24 Franken.

Praktisch den ganzen Frühsommer 2012 über hatte der Euro mit Kursen von 1.2010 Franken minim über der Untergrenze geklebt. «Eine Rückkehr zu diesen Werten ist praktisch ausgeschlossen», schätzt Hettinger die Aussichten für 2013 ein. Dennoch bleibt der Stratege vorsichtig, was die weitere Entwicklung betrifft. Schlecht verlaufende Bondauktionen von Krisenländern oder ein erneutes Tauziehen um die Fiskalklippe in den USA könnten Ängste zurück in den Markt bringen, meint Hettinger. So oder so scheint 2013 eine gewisse Beruhigung an der Währungsfront zu bringen: Während die SNB beim aktuellen Kurs von 1.22 behutsam den Abbau ihres Devisenportfolios ins Auge fassen kann, darf die Schweizer Wirtschaft wieder mit einer gewissen Belebung aus dem Euroraum rechnen. 

Quelle: Tages-Anzeiger

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Sonntag, 6. Januar 2013

Banken erhalten mehr Zeit

Die Banken weltweit bekommen vier Jahre mehr Zeit für den Aufbau billionenschwerer Liquiditätspuffer. Dies beschloss der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. 

Banken müssen nun 60 Prozent der Reserven vorweisen: Londons Finanzviertel. (Archivbild)
Banken müssen nun 60 Prozent der Reserven vorweisen: Londons Finanzviertel. (Archivbild: Keystone)

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht beschloss in Basel, dass die Banken die Mindest-Liquiditätsquote (LCR) schrittweise erst bis 2019 aufbauen müssen statt sie 2015 vollständig erfüllen zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt reichen nun 60 Prozent der Reserve. Aufseher und Politiker hatten befürchtet, dass die Banken die Kreditvergabe einschränken und damit die Konjunktur abwürgen würden, wenn sie die LCR so früh wie geplant einhalten müssten. Denn Liquidität vorzuhalten, ohne sie für Kredite einsetzen zu können, ist teuer für die Institute.

«Die Übergangsfrist wird sicherstellen, dass der neue Liquiditätsstandard auf keinen Fall die Fähigkeit des globalen Bankensystems beeinträchtigen wird, die konjunkturelle Erholung zu finanzieren», sagte der britische Notenbankchef Mervyn King. Nach einer Erhebung des Basler Ausschusses fehlten den weltgrössten Instituten Ende 2011 noch rund 1,8 Billionen Euro an flüssigen Mitteln, um die LCR zu erfüllen. Zwei Drittel davon entfielen auf europäischen Institute. Im Schnitt hatten die 102 weltgrössten Banken damals 91 Prozent der geforderten Liquiditätsreserven beisammen, rund 38 Prozent kamen allerdings auf weniger als 75 Prozent. Nun reicht es, wenn sie 2015 auf 60 Prozent kommen, danach wird die Latte jedes Jahr um zehn Prozentpunkte nach oben gesetzt.

Es ist das erste Mal, dass der für weltweit einheitliche Spielregeln bei den Banken zuständige Basler Ausschuss neben Kapitalvorschriften auch eine Mindest-Ausstattung an Liquidität vorschreibt. Die Vorschriften sind eine Lehre aus der Finanzkrise. Damals waren zahlreiche Banken - wie Lehman Brothers oder die britische Northern Rock - nicht an zu wenig Kapital gescheitert, sondern daran, dass die Kapitalmärkte austrockneten und sie sich in der Krise am Markt kein Geld mehr beschaffen konnten oder dass Kunden blitzschnell ihre Einlagen abzogen. Mit dem in der LCR vorgeschriebenen Reserven-Topf soll künftig jede Bank 30 Tage allein überleben können, ohne dass ihr das Geld ausgeht.

Die Aufseher schreiben auch vor, wie die Liquiditätsreserve aussehen muss. Denn sie muss im Notfall schnell zu Geld gemacht werden können. 60 Prozent davon müssen aus Barem, erstklassigen Staatsanleihen und anderen zentralbankfähigen Papieren bestehen. Bis zu 40 Prozent dürfen es auch Unternehmensanleihen mit hoher Bonität, Hypothekenpapiere und bestimmte Aktien sein. Diese werden nur zum Teil angerechnet. Mit diesen Papieren müssen die in einer Krise innerhalb von 30 Tagen zu erwartende Mittelabflüsse abgedeckt sein.

Um die LCR hatte es im Basler Ausschuss Streit gegeben. Am Wochenende hatten sich daher in Basel die Notenbankchefs und die Chefs der nationalen Aufsichtsbehörden aus den 27 Teilnehmer-Ländern unter dem Vorsitz von King getroffen. Sie fungieren als Überwachungsgremium für den Ausschuss. «Die Vereinbarung ist eine klare Verpflichtung darauf, dass die Banken ausreichend flüssige Mittel halten, um zu verhindern, dass gleich wieder die Notenbanken einspringen müssen», erklärte das Gremium. Nach dem Kompromiss gilt für die Liquiditätsquote nun die gleiche Übergangsfrist wie für die Kapitalregeln von «Basel III», dem Banken-Regelwerk, auf das der Ausschuss sich 2010 verständigt hatte.

2018 soll eine zweite Liquiditätsquote - die NSFR - in Kraft treten. Doch auch daran werde in den nächsten zwei Jahren noch geschraubt werden. Sie soll dafür sorgen, dass die Banken ihre langfristig ausgegebenen Kredite nicht mehr allzu kurzfristig refinanzieren. Diese Praxis hatte in der Finanzkrise Institute wie die Hypo Real Estate an den Rand des Abgrunds gebracht. 

Quelle: Tages-Anzeiger / Agenturen

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Montag, 10. Dezember 2012

Menschenrechte und Freihandel

Zurzeit verhandelt die Schweiz mit China über ein bilaterales Freihandelsabkommen (FHA). Die entwicklungspolitische Organisation Solidar Suisse befürchtet, dass das FHA zur Untergrabung international anerkannter menschen- und arbeitsrechtlicher Mindeststandards in China beitragen wird.

Am 10. Dezember ist der internationale Tag der Menschenrechte. Solidar Suisse ist gemäss der am Montag veröffentlichten Mitteilung der Meinung, dass ein Freihandelsabkommen mit China auch der Entwicklung und Respektierung der Menschenrechte dienen muss. Deshalb hat Solidar Suisse einen Sieben-Punkte-Plan aufgestellt, der die minimalen Anforderungen an ein Freihandelsabkommen aufzeigt: Zum Beispiel müssen die Zwangsarbeitslager in China geschlossen und die Gewerkschaftsfreiheit respektiert werden. Falls der Bundesrat nicht für die Verankerung der Menschen- und Arbeitsrechte sorgt, fordern wir das Parlament auf, das Freihandelsabkommen abzulehnen. Andernfalls empfiehlt Solidar Suisse seinen Trägerorganisationen, der SP Schweiz und den Gewerkschaften, das Referendum dagegen zu ergreifen.
 
Trotz Fortschritten in den letzten Jahren gibt es in China im internationalen Vergleich weiterhin erhebliche Defizite bei den Arbeitsstandards. Die vier Kernarbeitsnormen zu Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen sowie zu Zwangs- und Pflichtarbeit lehnt China noch immer ab. Die vier Kernarbeitsnormen gegen Kinderarbeit und Diskriminierung hat es zwar ratifiziert, setzt die entsprechenden Gesetze aber nur ungenügend um.

Zwangsarbeit ist weit verbreitet,
obschon sie einen krassen Verstoss gegen die Menschenrechte darstellt. Als verurteilte Häftlinge oder ohne gerichtliches Urteil und fernab jeder Rechtsstaatlichkeit werden Menschen in Arbeitslagern ausgebeutet; Misshandlungen sind oft an der Tagesordnung. Die chinesischen Gewerkschaften können die Aufgabe, die Arbeitsrechte durchzusetzen, nicht wahrnehmen: Zum einen sind sie nicht unabhängig, sondern zu Loyalität gegenüber der Kommunistischen Partei verpflichtet, zum anderen ist die Förderung der Wirtschaftsentwicklung eine ihrer zentralen Aufgaben, weshalb die Gewerkschaften eher die Arbeitgeberseite vertreten.


Solidar Suisse ist der Überzeugung, dass arbeitsrechtliche Mindeststandards die Wirtschaftsentwicklung positiv beeinflussen, da sie zu sozialer Gerechtigkeit, zum sozialen Frieden und damit zur Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Entwicklung beitragen. Nur eine nachhaltige Entwicklung, nicht jedoch eine auf kurzfristige Profite ausgerichtete Aussenwirtschaftspolitik, verdient es, über ein Freihandelsabkommen gefördert zu werden. Ein faires Arbeitsrecht sorgt für stabile Rahmen-bedingungen, faire Wettbewerbsbedingungen und ein wirtschaftliches Wachstum, das der ganzen Bevölkerung dient. Die EFTA hat die Relevanz arbeitsrechtlicher Normen für die wirtschaftliche Entwicklung anerkannt und diese in den Freihandelsabkommen mit Hongkong und Montenegro integriert. Solidar Suisse stellt sieben Forderungen:


1) Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China beinhaltet ein Nachhaltigkeitskapitel mit sozialen und ökologischen Bestimmungen.

 
2) Das Nachhaltigkeitskapitel stellt die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen (Gewerkschafts-freiheit; Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung) als arbeitsrechtliche Mindeststandards sicher. Darüber hinaus legt es weitere Standards auf Basis des Uno-Pakts 1 (Sozialrechte) verpflichtend fest.
 
3) Das Freihandelsabkommen garantiert die Freiheit und Unabhängigkeit der Gewerkschaften und sichert ihnen explizit das Recht zu, sich in internationalen Gewerkschaftsverbänden einbringen zu dürfen.
 
4) Das Abkommen stellt sicher, dass kein Freihandel erfolgt, solange nicht sämtliche Zwangs-arbeitslager geschlossen sind.
 
5) Eine tripartite Kommission überwacht die ausreichende Integration der arbeitsrechtlichen Belange sowie die Umsetzung des Freihandelsabkommens und leitet als Schweizer Kontaktstelle für Beschwerden bei Regelverletzungen Schritte ein, wie z.B. Sanktionen.
 
6) Bei der Verletzung der menschen- und arbeitsrechtlichen Standards des Nachhaltigkeitskapitels ist ein bilaterales Schiedsgerichtverfahren vorgesehen.
 
7) Das Freihandelsabkommen regelt verbindlich die Zusammenarbeit im Arbeitsbereich, insbesondere zum Arbeitsrecht und seiner rechtlichen Durchsetzung.
 
Das ausführliche Positionspapier von Solidar Suisse zum Freihandelsabkommen mit China findet sich hier.

Bild - Baustelle in Kuoming: Guntram Rehsche

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Montag, 3. Dezember 2012

Klimaschutz: Schweiz auf Rang «7»

Die deutsche Umweltorganisation Germanwatch hat ihren Klimaschutz-Index veröffentlicht. Während die ersten drei Ränge gar nicht erst vergeben werden, da kein Land eine solche Rangierung verdient, folgt Dänemark an 4. Stelle als bestklassiertes Land. Platz 7 (resp. viertbestes Land) ist sodann die Schweiz, dicht gefolgt von Deutschland - welches als beste Klimaschutznation der grossen Treibhausgasemittenten gilt. Fortschritte macht insbesondere China.

Es ist eine symbolische Geste: Wenn die Umweltschutzorganisation Germanwatch einmal jährlich ihren Klimaschutz-Index veröffentlicht, bleiben die ersten drei Plätze traditionell frei. Die Rangliste zeigt, wie sehr sich die Staaten der Welt beim Klimaschutz ins Zeug legen. Und weil nach Ansicht der Öko-Aktivisten kein Staat der Welt genug gegen die Erderwärmung tut, sind die Medaillenränge auch dieses Jahr unbesetzt. 


 Vergrössern mit Klick auf Tabelle! 

Am Montag hat die Organisation das aktuelle Ranking auf dem Klimagipfel in Doha vorgestellt. "In manchen Ländern gibt es positive Ansätze, bei den großen Emittenten passiert aber zu wenig", fasst Jan Burck von Germanwatch die Ergebnisse im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zusammen. Auf den vorderen Rängen liegen mit Dänemark (Platz vier) und Schweden (Platz fünf) zwei alte Bekannte. Doch schon der nächste Staat auf der Liste überrascht auf den ersten Blick: Portugal hat sich im Ranking weit nach vorn geschoben, auf Platz sechs - und dann eben die Schweiz.

Portugals gute Rangierung liegt zum einen an der Wirtschafts- und Finanzkrise, die auch in anderen Problemländern wie Spanien, Italien, Irland und Griechenland zu einem Rückgang der Industrieproduktion - und damit auch der Emissionen - führte. Doch im Fall von Portugal lobt die Organisation zum anderen, dass die Regierung auch in schwierigen Zeiten an ihren Klimaschutz-Bemühungen festgehalten habe. 
Drastische Kritik unter den europäischen Ländern müssen sich dagegen die Niederlande (Platz 49) und Polen (Platz 44) gefallen lassen. Die Haltung Polens gilt auf dem Gipfel in Doha auch als entscheidender Grund dafür, dass die Europäische Union ihr CO2-Reduktionsziel bis zum Jahr 2020 nicht von 20 auf 30 Prozent anhebt - denn knapp 20 Prozent hat die Gemeinschaft schon jetzt erreicht. Deutschland ist im aktuellen Ranking um zwei Plätze abgerutscht und nun auf Platz acht zu finden. "Weltweit funktioniert Umweltschutz nur noch über den Ausbau an erneuerbaren Energien", sagte Umweltminister Peter Altmaier noch am Wochenende in einem Gastkommentar in der "Bild am Sonntag". Doch genau daran hakt es in der Praxis. Die deutsche Energiewende ist ins Stocken gekommen - auch durch Zankereien in der schwarz-gelben Koalition: "Die Regierung blockiert sich gegenseitig", klagt Jan Burck. Punktabzug gibt es für Deutschland auch bei der Energieeffizienz: "Da ist noch viel Luft nach oben." 

Im Detail werden für den Index folgende Bereiche ausgewertet:
  • Höhe der Emissionen (30% der Gesamtnote)
  • Entwicklung der Emissionen (30%)
  • Erneuerbare Energien (10%)
  • Energieeffizienz (10%)
  • Klimapolitik (20%)
Zu den positiven Überraschungen zählt Mexiko, das sich auf Rang 14 wiederfindet. Der große Gewinner sind in diesem Jahr allerdings die USA. Zwar liegen sie auf Platz 43 noch immer im hinteren Drittel der Liste, haben aber einen Sprung nach vorne gemacht, weil die CO2-Emissionen des Landes merklich gesunken sind. Das hat neben der Krise vor allem mit dem Erdgas aus unkonventionellen Quellen zu tun, das die amerikanischen Märkte seit einiger Zeit flutet. Weil durch den Gasboom die Energieerzeugung aus noch klimaschädlicherer Kohle zurückgegangen ist, haben sich die Emissionen bei der Verbrennung verbessert. Allerdings fehlen in den Statistiken die Klimagase, die direkt am Bohrloch anfallen - und diese Mengen können beträchtlich sein. Die Bewertung der USA ist also mit einiger Vorsicht zu genießen. Dennoch loben die Umweltschützer das Land ein wenig: "Die Lage ist nicht mehr ganz so schlecht wie unter der Bush-Regierung", heißt es, nicht zuletzt wegen massiver Investitionen von Bundesstaaten wie Kalifornien in erneuerbare Energien.

Auch im Fall von China (Platz 54) sieht man bei Germanwatch zumindest "einige Lichtblicke" - obwohl der Treibhausgas-Ausstoß des Landes von Rekord zu Rekord klettert. "Das Land steht am Scheideweg", sagt Burck. So habe es bei der Energieeffizienz immerhin leichte Verbesserungen gegeben. Die massiven chinesischen Investitionen in klimafreundliche Energietechnik spiegelten sich jedoch noch nicht in den Daten zum CO2-Ausstoß wieder.

Die letzten Plätze auf der Rangliste belegen Kanada (Platz 58), Kasachstan (Platz 59), Iran (Platz 60) und Saudi-Arabien (Platz 61). Die Länder sind für die Umweltschützer alte Bekannte, denn sie sind von ihren Ressourcenexporten abhängig und haben bisher wenig bis gar kein Interesse am Klimaschutz gezeigt. Immerhin hat Saudi-Arabien aber eine Investitionsstrategie für Erneuerbare Energien angekündigt. Gipfelgastgeber Katar taucht in der Liste wegen "methodischer Schwierigkeiten" nicht auf, hätte aber wegen der höchsten CO2-Pro-Kopf-Emissionen der Welt kaum Chancen auf vordere Plätze.

Insgesamt ist das Urteil der Umweltschützer klar: Kein Land der Welt tut genug, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Umweltminister Altmaier sieht das offenbar auch so: "Es fehlt allerorten an politischem Willen und an öffentlicher Unterstützung", klagte er in seinem Kommentar. Was das bedeutet, haben die Forscher des Global Carbon Project gerade im Fachjournal "Nature Climate Change" vorgerechnet: Allein zwischen 1990 und 2011 ist der globale CO2-Ausstoß demnach um 54 Prozent gestiegen. Mit dem für 2012 prognostizierten weiteren Plus ergibt sich sogar ein Zuwachs um insgesamt 58 Prozent. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte das zu einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen um bis zu fünf Grad führen, warnen die Forscher. Corinne Le Quéré vom britischen Tyndall Centre for Climate Change ist eine der Autorinnen der Studie. Sie klagt: "Angesichts der steigenden Emissionen könnte man meinen, dass niemand auf die gesamte Gemeinschaft der Wissenschaftler hört."

Quelle: Spiegel 3. Dezember 2012

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Montag, 26. November 2012

Luxusprodukte oft Mogelpackung

Kassensturz vom 13.11.2012

Edle Zutaten – sorgfältig verarbeitet. So preisen Detailhändler ihre Premium-Produkte an. «Kassensturz» deckt auf: Angebote von Coop Fine-Food- und Migros-Sélection sind zwar viel teurer, dahinter stecken jedoch oft banale Massenprodukte. 

Im Schattenreich der Jade-Zocker


SparerInnen jammern über niedrige Zinsen und bröckelnde Börsen. Doch ein Blick nach China zeigt: Es geht noch viel schlimmer. Dort stürzen sich Sparer inzwischen sogar auf wertlose Steine, um ihre Ersparnisse irgendwie anzulegen.
 
Eine Gasse auf dem Panjiayuan-Markt in Peking. Händler haben auf Decken erdfarbene und graue Steine ausgebreitet. Dutzende Menschen drängen sich um die kleinen Stände. Mittendrin hockt Li Pan, dreht die Steine in seinen Händen und beleuchtet ihre Oberfläche mit einer Taschenlampe. Manchmal glitzert unter dem Lichtkegel ein dunkles Grün. Du Shi nennen die Chinesen die kleinen Findlinge - Zockersteine. Diese könnten in ihrem Inneren viel Jade bergen, locken Händler die Kunden. Der Edelstein, dem heilende Kräfte nachgesagt werden, ist in China so begehrt wie in Europa Gold. Das Feilschen mit den Du Shi gibt es seit Jahrhunderten. Doch seit kurzem erlebt es einen Boom. 

In China existiert derzeit kein attraktiveres Spekulationsobjekt als Jade. Der Preis für die beliebte Sorte Hetian hat sich seit 2006 verdreißigfacht - von einer Million auf zuletzt bis zu 30 Millionen Yuan pro Kilogramm. Auch andere Sorten sind so teuer wie nie. Entsprechend groß ist die Gier der Zocker. "Ein Schnitt, und du weißt, ob du die Hosen eines Bettlers trägst oder die eines reichen Manns", zitiert Li eine alte Redensart.

Li leitet ein Architekturbüro, er trägt auch auf dem Straßenmarkt einen Anzug. Von Jade hat er wenig Ahnung, dennoch kauft er lieber Zockersteine als Aktien. "Es gibt kaum Möglichkeiten, profitabel zu investieren", sagt er. "Da kann ich auch zocken." Er wiegt einen großen Stein in der Hand und kauft ihn für umgerechnet 250 Euro. Es gibt viele Chinesen, die wie Li denken. 300 Millionen Menschen im Land gehören laut CNN Money inzwischen zur Mittelschicht. Die Chinesen können immer mehr Geld anlegen - doch die wenigsten wissen, wohin damit.

AnlegerInnen in Europa klagen derzeit über niedrige Zinsen. Aber verglichen mit den Chinesen leben sie im Paradies. In der Volksrepublik ist viel Geld in einem Finanzsystem gefangen, das seine Bürger zu Zockerei und kriminellen Winkelzügen verführt. Die Zinsen für Sparkonten sind bescheiden. Wer sein Geld für ein Jahr fest anlegt, bekommt rund drei Prozent Rendite. Die offizielle Inflationsrate lag im Oktober bei 1,7 Prozent, doch inoffizielle Schätzungen gehen von einer höheren Teuerung aus. "Man muss sein Geld schon mehrere Jahre auf dem Konto bunkern, um über der Inflationsrate zu liegen", sagt Peter Lundgreen vom Investmentberater Lundgreen's Capital. "Das kann sich kaum ein Kleinanleger leisten."

Alternativen sind rar. Die Kurse an der Börse in Shanghai sind seit 2007 um rund 70 Prozent eingebrochen. Nur abgebrühte Anleger kaufen noch Aktien. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt: Wetten auf schwankende Wechselkursen sind verboten, ebenso Investitionen in Optionsscheine. Wer dennoch in diesen Märkten aktiv sein will, muss sein Geld mit Hilfe von Schattenbanken aus dem Land schleusen.
 
Lange Zeit waren Immobilien das bevorzugte Investitionsobjekt der Chinesen. Der Quadratmeterpreis betrug 2006 im nationalen Durchschnitt 3343 Yuan (umgerechnet rund 420 Euro), 2010 waren es schon 5393 Yuan. Wer ein Haus kaufte, dem schien eine satte Rendite sicher. Doch seit 2010 kämpft die Regierung gegen die Immobilienblase an. Sie hat die Regeln zum Häuserkauf verschärft. Die meisten Anleger dürfen maximal zwei Immobilien kaufen. Wer mehr will, bricht bisweilen das Gesetz. Mitte Oktober kam heraus, dass ein hochrangiger Offizier aus der Guangdong-Provinz 22 Häuser kaufte, indem er Onkel, Tanten, Oma, Opa oder Freunde als Besitzer eintragen ließ.

Die meisten Anleger aber halten sich an die neuen Regeln - was die Nachfrage drückt. 2011 fielen die Häuserpreise im nationalen Durchschnitt leicht, auf 5380 Yuan pro Quadratmeter. Auch 2012 stagnierten die Preise bis zum dritten Quartal. Darum suchen reiche Anleger nach neuen Möglichkeiten, etwa Kunst. 2011 war das Jahr, in dem ein chinesischer Landschaftsmaler Pablo Picasso entthronte. Zwar kennen nur wenige im Westen den Künstler Zhang Daqian. Doch blätterten Investoren allein im Jahr 2011 insgesamt gut 507 Millionen Dollar für seine Werke hin, rund 200 Millionen mehr, als in diesem Zeitraum für Picasso-Bilder gezahlt wurde. Allein Zhangs Bild "Lotus und Mandarin-Enten", ein Arrangement aus roten Blüten und schwarzen Blättern, war einem chinesischen Bieter 24,5 Millionen Dollar wert.

Wem Kunstspekulation nicht liegt, der verdingt sich bisweilen als Kredithai. Der Bedarf nach halblegalen Darlehen ist groß, weil chinesische Banken ihr Geld bevorzugt staatlichen Unternehmen leihen; dort ist das Ausfallrisiko am geringsten. Kleine Firmen und Privatinvestoren dagegen leihen sich oft auf dem grauen Kreditmarkt Geld - zu Zinsen von bis zu 30 Prozent. Ein lukratives Geschäft für wohlhabende Chinesen.Nach Meinung des Investmentberaters Lundgreen ist die Ursache für die Probleme klar. "Das chinesische Finanzsystem ist an vielen Stellen zu unflexibel", sagt er. "Es kann die großen Mengen Anlegerkapital nicht aufnehmen." Die Kommunistische Partei sei sich bewusst, dass das den Aufschwung bremse. Doch sehe sie in dem bestehenden System auch Vorteile. "Die Partei ist Eigentümerin der vier größten Banken", sagt Lundgreen. "Sie kontrolliert die Geldströme, und sie tut sich schwer, diese Kontrolle abzugeben."

Die Spekulation dürfte also weitergehen. Und mit ihr die Jade-Zockerei. Hobby-Zocker Li Pan geht vom Panjiayuan-Markt direkt in einen Laden, um seinen 250-Euro-Stein zu verkaufen. Doch der Händler klopft ihm nur tröstend auf die Schulter. "Du hast für heute genug Geld verloren", sagte er. "Ich werde deinen Stein nicht auch noch aufschneiden und dafür eine Gebühr verlangen. Man hat dich übers Ohr gehauen." Der Jade-Markt sei leergekauft, sagte der Mann. Man müsse weit reisen, um noch an gute Ware zu kommen. Auf dem ganzen Panjiayuan-Markt findet sich wohl kein einziger wertvoller Stein mehr.

Quelle: Spiegel Online 26.11.12 (mit Bildstrecke)

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Sonntag, 25. November 2012

Umstrittene Schuld des Regierungsrats

Die heutigen Regierungsräte bestreiten eine Mitverantwortung am Milliardendebakel der kantonalen Vorsorgekasse. Die Fakten lassen Zweifel aufkommen.
Die Zürcher Kantonsregierung nahm Stellung: Markus Kägi (SVP - Regierungspräsident und Baudirektor) und Ursula Gut (FDP - Finanzdirektorin) weisen die Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Korruptionsfall BVK zurück (Bild Keystone).

Am Montag diskutiert der Kantonsrat über den Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum Korruptionsfall BVK, der Personalvorsorgeeinrichtung des Kantons Zürich. Streitpunkt ist, ob der Korruptionsfall wirklich zu einem Milliardenschaden geführt hat und ob der Regierungsrat damit eine Mitverantwortung für den schlechten finanziellen Zustand der kantonalen Pensionskasse hat. Die heutigen Regierungsräte, allen voran die Finanzdirektorin Ursula Gut, bestreiten dies vehement.

Grundlage für den PUK-Bericht ist ein Gutachten des Pensionskassenexperten von PPCmetrics, der von einem Schaden von 0,5 bis 1,5 Milliarden Franken spricht. Der zentrale Vorwurf ist, dass die Kasse mit regierungsrätlicher Deckung eine viel zu risikoreiche Strategie fuhr in der Hoffnung, die ungenügende Finanzierung mit Börsengewinnen auszugleichen. Begründet wird dieser Vorwurf mit einem Gutachten von Ecofin, das am 13. Dezember 2004 zum Schluss kam: Ausgehend von den üblichen Renditen, «müsste die BVK eine zu aggressive Anlagestrategie verfolgen», wenn sie sich «einzig über die Anlageerträge» sanieren wolle.

Gemessen an der Risikofähigkeit der Kasse hielt Ecofin eine Aktienquote von 25 Prozent für vertretbar und forderte eine rasche Sanierung der Kasse, ansonsten gebe es eine «grosse Gefahr einer Verschlechterung der finanziellen Lage». Gemacht wurde aber das Gegenteil: Die Quote von Aktien und aktienartigen Risikopapieren wurde heraufgefahren, bis sie 2007 bei 44,5 Prozent lag. Teilweise wurden die Risikopapiere in anderen Anlagekategorien versteckt (siehe Tabelle).
Dass das eigentlich nicht ging, war allen bekannt, schreiben doch die Revisoren in ihrem Jahresbericht 2004 Folgendes: «Aufgrund der Unterdeckung ist die Risikofähigkeit zwar ungenügend, aber es besteht eine Staatsgarantie für die BVK.» Als die Arbeitnehmervertreter Arialdo Pulcini und Markus Schneider im Anlageausschuss der BVK dies Ende 2007 monierten, wurden sie von Regierungsrätin Gut gemassregelt.

Bis heute wird um die zu hohe Risikoquote gestritten, trotz des PUK-Berichts und des Gutachtens von PPCmetrics. So schrieb Guts Pressesprecher Roger Keller nach einem Interview des «Tages-Anzeigers» mit Arialdo Pulcini: «Diese Aussage ist eindeutig falsch und muss korrigiert werden, weil sie sich nicht auf aktienartige Anlagen bezog. Das erwarten wir, mitsamt einer Erwähnung der richtigen Zahl von 28,7 Prozent und einem Hinweis, dass die dazugehörige Anschuldigung falsch ist.» Pulcini spricht von mangelnder Einsicht.

Dass man eine risikoreiche Anlagestrategie fuhr, hatte für den damaligen Anlagechef Daniel Gloor den Vorteil, dass er seinen Freunden Aufträge zuhalten konnte. So ging etwa die Verwaltung der Aktien an die Argus Finanz von Alfred Castelberg. Da wurde unter Verletzung des Anlagereglements auf eine Offerte verzichtet, trotz eines Startvolumens von 1,8 Milliarden Franken. Es gab keinen bewilligten Antrag an den Regierungsrat. Auch das war eine Verletzung des Anlagereglements. Es gab eine mündliche Vereinbarung zur Entschädigung – eindeutig praxiswidrig und nicht entsprechend dem Anlagereglement, sagt PPCmetrics. Es wurde aktiv gehandelt statt passiv verwaltet – auch eine Verletzung des Anlagereglements, aber gut für Castelberg, weil er so mehr Courtagen verdiente. Es gab Retrozessionen, die nicht marktkonform waren, die Handelskommissionen waren unverhältnismässig hoch, und das Ergebnis war schlecht: Die Differenz zum Benchmark 2003 bis 2010 liegt bei 70 Millionen Franken.

Ähnliches passierte bei der Vergabe des Hedgefonds-Mandats an die DL Investmentpartners. Es ging um Investitionen von 1,7 Milliarden Franken. Das Auswahlverfahren war nicht protokolliert, es gab keine Bewilligung der Finanzdirektion – wiederum eine Verletzung des Anlagereglements. Angefangen hat dieses Mandat noch unter Regierungsrat Christian Huber, der davon wusste, aber nichts unternahm, obwohl das Anlagereglement verletzt wurde.

Christian Huber hatte nach einer Sitzung vom 22. April 2005 auch Kenntnis von der Investition in den Tradex-Fonds, ein äusserst risikoreicher Hedgefonds, der auf null abgeschrieben werden musste. Nachgewiesen ist, dass für die Vergabe dieser und anderer Aufträge 1,7 Millionen Franken Bestechungsgelder flossen. Aber das ist nicht alles. Die Ergebnisse der Investitionen in Hedgefonds und Private-Equity-Anlagen waren sehr schlecht. Man verlor Hunderte von Millionen Franken. Die Verluste waren viel grösser als bei vergleichbaren Kassen. Ob und wie dies gerichtlich aufgearbeitet werden soll, darum dreht sich die Kantonsratsdebatte. 

Quelle: Tages-Anzeiger 26.11.12

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Montag, 19. November 2012

Erneuerbare Energien sind angekommen

Die erneuerbaren Energien sind endgültig in der Schweiz angekommen. Das markierte nicht zuletzt der erste Nationale Kongress zum Thema, der am vergangenen Freitag gegen 400 Fachleute und Interessierte im Berner Wankdorf-Stadion zusammenführte. Organisiert durch die unabhängige Agentur für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien (AEE) zeigten VertreterInnen von Wirtschaft und Politik, dass die Energiewende eigentlich noch vor der Atomkatastrophe von Fukushima ihren Anfang nahm.

Für die Kantone sprach die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (siehe Bild links) und verwies darauf, dass der Kanton Bern ein Szenarion für den Atomausstieg bereits im Jahr 2006 formuliert hatte – womit der Kanton noch vor dem Bund im Jahre darauf erstmals zumindest in einem Szenario die Möglichkeit des Aus- und eines Umstiegs skizzierte. Es sieht unter anderem vor, bis ins jahr 2035 die Wärmebedürfnisse zu 70, den Strombedarf gar zu 80 Prozent mit Erneuerbaren Energien zu decken. Die letzten beissen die Hunde, ist man versucht zu schreiben, wenn man an die Worte des Stadtberner Gemeinderats Reto Nause erinnert, der die bisweilen noch mangelhafte Unterstützung für den ganz konkreten Ausstieg seitens der übergeordneten Behörden von Bund und Kantonen beklagte. Wobei er Bern explizit ausnahm. Erinnert werden kann da aber an die Stadt Zürich, deren 2000-Watt-Strategie beim Kanton bislang eher misstrauisch beäugt – und schon gar nicht von einem Atomausstiegsszenario unterstützt – wird. Nause erinnerte auch daran, dass sich die Atomkraftwerke hierzulande letztlich immer noch im Besitze der Kantone befinden – die dann allerdings auch die Kosten des Ausstiegs tragen.

Das Berner Wankdorfstadion mit seiner breiten Mantelnutzung beherbergte den ersten Nationalen Kongress der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Verborgen blieb dabei, was sich auf dem Stadiondach auch befindet: eine der grössten Photovoltaikanlagen der Schweiz mit einer Leistung von mehr als einem Megawatt oder dem Potenzial, mehr als 300 Haushalte mit Solarstrom zu versorgen.







Im laufenden Jahr ist die Energiewende nun also wirklich zum breiten Thema geworden hierzulande. Auf allen Ebenen der föderalistisch aufgebauten Willensnation Schweiz sind namhafte Exponenten der Politik daran, den Erneuerbaren zum Durchbruch zu verhelfen. Zuoberst das Bundesamt für Energie, welches unter Führung von Bundesrätin Doris Leuthard einen – wenn auch noch vielseitig umstrittenen – Weg zur Wende hin zu den Erneuerbaren in der Energiestrategie 2050 aufzeigt (siehe Solarmedia vom ). Amtsdirektor Walter Steinmann wies die KongressteilnehmerInnen auf die Pfeiler dieser Strategie hin: Mehr Effizienz, vor allem mehr Erneuerbare Energien und die Deckung eines allfälligen Restbedarfs durch Stromimporte oder einzelne grosse Gaskraftwerke.

Die allzuhäufig vergessene Effizienz, also neben dem Sparen der Einsatz von Geräten und Technologien, die gleiche Leistung mit weniger Ressourcen erbringen, steht für Steinmann gar im Vordergrund. Sie ist schnell zu realisieren, bringt auch finanzielle Einsparungen und ist in erster Linie im Gebäudebereich viel versprechend. Denn der ist für 46 Prozent, also fast die Hälfte, des Gesamtenergieverbrauchs der Schweiz verantwortlich. Und bei einem Gebäudebestand von rund 1,64 Millionen Einheiten gibt es wahrlich viel Arbeit – in erster Linie für das heimische Gewerbe. Und wer industrieseitig mitzieht, wird von Abgaben wie der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) befreit. So will es zumindest die Energiestrategie 2050, wenn sie denn das Parlament akzeptiert und ohne ein Referendum über die Runden kommt.

In einer energiepolitischen Diskussion bekannte sich Nationalrat Bastien Girod (Bild rechts) von der Grünen Partei dazu, keine Frontalopposition gegen neue Anlagen irgendwelcher Art zu üben. Vielmehr gebe es genügend technische Lösungen bei Konflikten mit den Anliegen des Umweltschutzes – etwa Sensoren, die Windräder abschalten, wenn ein Vogelschwarm im Anflug sei. Roger Nordmann, SP-Nationalrat und Präsident des Fachverbands Swissolar (Bild links) brachte seine Vorstellungen von der Energiewende auf einen klaren Punkt – der Deckel müsse weg insbesondere für die Förderung der Photovoltaik, also der direkten Stromerzeugung durch Solarzellen.

Diese Forderung deckt sich gut mit einem Gesamtkonzept für die Schweizer Stromversorgung, das auf die Säulen Wasserkraft- und Sonnenlicht aufbaut. Nordmann zeigte zusammen mit dem Meteorologen Jan Remund von Meteotest  in einer unlängst veröffentlichten Studie, dass ein Szenario, das den Atomstrom zu 70% durch Solarenergie ersetzt, realistisch und möglich ist, ohne die Versorgungssicherheit im Winter zu gefährden, sofern die übrigen 30% durch Windkraft und Biomasse gedeckt werden. Der zusätzliche Speicherbedarf für das Winterhalbjahr bleibe moderat, da sich die Sonnenenergie und die Produktion der Laufwasserkraftwerke in der saisonalen Variabilität gut ergänzen. Im Gegensatz zur Wasserkraft ist die Produktion der Photovoltaik im Februar, März und April sehr hoch, sodass die hydroelektrische Produktionskapazität der Stauwerke auf die Wintermonate konzentriert werden kann.

Konkret könnten gemäss der Studie Mühleberg, Beznau 1 + 2 sowie Gösgen mit einer nur mässigen Steigerung des Speichervermögens (+ 15%) oder des Stromhandels mit dem Ausland (+ 20%) stillgelegt werden. Dabei würde der Anteil des Solarstroms am Gesamtverbrauch bei 19% liegen (12 TWh). Für den Ersatz von Leibstadt mit denselben Massnahmen und für die Erreichung von 18 TWh Solarstrom muss entweder der Ein- und Ausfuhrsaldo um 50% erhöht, die Speicherkapazität um 30% aufgestockt oder eine moderate Unterstützung durch fossile Energieträger mithilfe der Wärmekraftkoppelung (2.5 TWh Strom/Jahr) in Betracht gezogen werden.

Neue Links zur Energiedebatte:
-       Energiestrategie des Bundes: www.energiestrategie2050.ch
-       Praxisbeispiele für Projekte mit Erneuerbarer Energie: www.hier-ist-energie.ch
-       Studie zu Zusammenhang Ausbau Speicherkraftwerke – Photovoltaik: www.roger-nordmann.ch/articles/2012.10.21_Swissolar_Rapport_Remund-Nordmann_PV_D.pdf
-       Referatsunterlagen zum 1. Nationalen Kongress der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz: www.aee-kongress.ch/referate

© Solarmedia Text und Bild

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Mittwoch, 14. November 2012

Ökologischer Fussabdruck preiswürdig

Der Basler Mathis Wackernagel hat Formeln entwickelt, mit denen wir unseren Ressourcenverbrauch berechnen können. Inzwischen lebt er in den USA – und knüpft Verbindungen zu den Mächtigen dieser Welt.

Es war ein intensives Wochenende für Mathis Wackernagel. Am Freitagabend erhielt er in Vaduz (FL) den Grossen Binding-Preis als Anerkennung für die gesellschaftliche und umweltpolitische Bedeutung seiner Erfindung, des ökologischen Fussabdrucks. Kuratoriumsmitglied Martin Boesch, der die Laudatio hielt, sagte, das Konzept werbe nicht nur weltweit um Nachhaltigkeit, «sondern entwickelt auch eine dramatische mediale Breitenwirkung und löst dadurch umweltpolitische Weichenstel­lungen aus». Der Binding-Preis ist mit 50'000 Franken dotiert. Er kommt nur zehn Tage nach dem mit 300'000 Franken ausgestatteten Blue Planet Prize, dem renommiertesten Wissenschaftspreis im Umfeld Nachhaltigkeit, den Wackernagel in Japan entgegennehmen durfte.

Der ökologische Fussabdruck, von Wackernagel zusammen mit dem Kanadier William Rees, seinem Doktorvater an der University of British Columbia in Vancouver, ins Leben gerufen, zeigt, wie sehr wir über unsere Verhältnisse leben. Wie viele Schweizen – als Mehrzahl von der einen Schweiz, die wir zur Verfügung haben – müsste es geben, um all das, was wir von der Natur brauchen, zu regenerieren? (Aktuell sind es vier.) «Das war damals unser grosser Trick», sagt Wackernagel. «Wir berechneten nicht irgendwelche hypothetischen Zahlen, wie viele Menschen in der Schweiz leben können. Wir fragten: Wie gross müsste die Schweiz sein, um ihre Bewohner, so wie sie heute leben, versorgen zu können.»

Daraus hat sich seit den Anfängen 1989 eine weltweit anerkannte Methode entwickelt. In gut einem Dutzend Ländern rund um den Globus ist die Berechnung des ökologischen Fussabdrucks von Regierungsinstitutionen verifiziert worden. Das Schweizer Bundesamt für Statistik beispielsweise publiziert Jahr für Jahr unseren Fussabdruck. «Die Interpretation ist der nächste Schritt», sagt Wackernagel. «Zusammen mit den Verantwortlichen dieser Länder wollen wir herausfinden, was dies für die Zukunft heisst. Wir fragen: Was bedeuten diese Ressourcentrends für den Wirtschaftsstandort Schweiz? Wie kann der Trend in die richtige Richtung gekehrt werden?»
Der Klimawandel, sagt Wacker­nagel, sei nicht das Problem. Erosion, Wasserknappheit, Versteppung und Überfischung auch nicht. «Dies sind alles nur Symptome für ein alles beherrschendes Thema: Wir brauchen mehr, als die Erde auf Dauer geben kann.»

Mathis Wackernagel ist heute weltweit in Lehre und Forschung tätig, zeitweise als Professor an der Cornell University in Ithaca, New York. Und vor allem knüpft er Verbindungen in die Schaltzentralen der Macht: zu den Regierungen und den Zentralbanken. Die Entscheidungsträger sollen erkennen, welche Konsequenzen es hat, wenn ein Land jahrelang seine Ressourcen ausbeutet. Die Wirtschaftskrise in Griechenland, Portugal, Italien, Spanien – Wackernagel bringt sie in engen Zusammenhang mit dem viel zu grossen Fussabdruck dieser Länder. Ein ETH-Ingenieur, der zum grünen Träumer wurde, auf den aber niemand hört? Die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg, die über 300'000 Analysten weltweit mit Daten und Kennzahlen beliefert, übernimmt nun auch den ökologischen Fussabdruck in ihre Bulletins. Denn mit Füssen verhält es sich so: Sie gehen Schritt für Schritt vorwärts. 

Quelle: TA-Online / Basler Zeitung

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Dienstag, 13. November 2012

So war Energiewende nicht gemeint!

10vor10 vom 12.11.2012  
Die Energiewende verschafft einem altbewährten Energieträger ein Comeback - der Braunkohle. Innerhalb von zehn Jahren ist der Kohleverbrauch weltweit um 57 Prozent angestiegen. Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger. «10vor10» hat mit Energieexperten gesprochen und zeigt: Schweizer Stromkonzerne verdienen mit.

Quelle: SF 10 vor 10 / 12. November 2012

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Montag, 12. November 2012

Noch mehr CO2 durch WKK

Fossile Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) sind CO2-Schleudern. Trotzdem forciert Energieministerin Doris Leuthard deren Ausbau. Gegen den Plan formiert sich Widerstand.

Gegen 1 Million Tonnen CO2: Diese Menge an Treibhausgasen wird 2050 in der Schweiz pro Jahr zusätzlich in die Luft entweichen, sofern Doris Leuthards (CVP) Plan aufgeht. Um den Atomausstieg zu schaffen, will die Energieministerin fossile Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen (WKK) finanziell unterstützen. Zum Vergleich: Der Ausstoss in der Schweiz beläuft sich derzeit auf 38 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. 

WKK sind dezentrale, fossil oder teilweise fossil befeuerte Anlagen, die künftig einen «wesentlichen Beitrag» an die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit leisten sollen; dies geht aus dem Bericht des Bundesrats zur Energiestrategie 2050 hervor. In der Basler Gemeinde Riehen liefert zum Beispiel ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk Strom für 2700 Haushalte und Fernwärme für 430 Ein- und Mehrfamilienhäuser. Vor allem im Winterhalbjahr liefern WKK-Anlagen gleichzeitig Wärme und Strom und können laut Bericht die reduzierte Stromproduktion aus Sonne und Wasserkraft kompensieren. 

Damit setzt Leuthard nebst Gaskraftwerken – ihre Fachleute im Bundesamt für Energie (BFE) rechnen bis 2035 mit vier grossen Anlagen – auf eine weitere Form fossiler Stromproduktion. Heute liefern WKK-Anlagen 2 Terawattstunden (TWh) Strom – also etwa 3 Prozent des Gesamtverbrauchs in der Schweiz. Die BFE-Experten halten einen Zubau von weiteren 2 TWh bis 2025 und 3,4 bis 2050 für realistisch.

Damit der Bau von WKK-Anlagen in Schwung kommt, will Leuthard ein Fördersystem schaffen – mit Geld als Anreiz. Als Leitplanke dient die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), mit welcher der Bund die Produktion erneuerbarer Energien ankurbelt. Heute liegt der gesetzlich festgelegte Maximalbetrag in der KEV bei rund 210 Millionen Franken. Weil der Bundesrat dieses Instrument im Zug der Energiewende weiter stärken will, steigt der Förderbetrag bis 2040 auf maximal 840 Millionen Franken. Leuthards Plan sieht nun vor, das WKK-Fördersystem mit höchstens einem Drittel dieses Betrags zu alimentieren. Damit könnte die fossile Stromerzeugung mit dreistelligen Millionenbeträgen subventioniert werden. Von diesem Geld profitieren sollen die Betreiber der WKK-Anlagen. Deren Strom, so die Idee, müssen die Netzbetreiber zu einem höheren Preis abnehmen. 

Leuthards Vorschlag befindet sich mit dem Rest ihres Energiepakets in der Vernehmlassung, die bis Ende Januar dauert. Wie sich zeigt, formiert sich von verschiedenen Seiten her Widerstand. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) wehrt sich gegen diese «einseitige Förderung», wie Geschäftsleitungsmitglied Stefan Muster sagt. «Der Markt muss entscheiden, was sich durchsetzt.» Deshalb müssten für alle Arten der Energieerzeugung die gleichen Rahmenbedingungen gelten.

Kritik kommt auch von der Umweltallianz, einem Zusammenschluss von Greenpeace, Pro Natura, VCS und WWF. Sie spricht von einer «massiven Subventionierung» fossilen Energieverbrauchs. «Mit diesem Vorschlag wird der Einsatz erneuerbarer Energien konkurrenziert und die angestrebte CO2-Reduktion in der Schweiz behindert», sagt WWF-Klimaexperte Patrick Hofstetter. Die Netzstabilität sei durch den grossen Wasserkraftpark sichergestellt, die Versorgungssicherheit sei primär eine Frage des geschickten Strommanagements.

Betreiber von WKK-Anlagen müssen gemäss Leuthards Plan keine CO2-Abgabe entrichten, dafür die CO2-Emissionen kompensieren. Inwieweit dies geschehen wird, ist umstritten. Denn als Kompensationsleistung dürfen die Anlagenbetreiber den Ersatz von alten fossilen Heizkesseln anrechnen. Hofstetter kritisiert dies, weil ein Teil dieser Kessel heute oder in Zukunft sowieso durch CO2-freie oder zumindest -ärmere Alternativen ersetzt werde – eine Problematik, die von anderen, ausländischen Kompensationsprojekten bekannt ist.

Das Bundesamt für Energie entgegnet, die Heizkessel-Frage werde «im Detail im Vollzug» geregelt. Dass die Förderung fossiler Stromerzeugung die Energiewende gefährdet, bestreitet das BFE: «Unsere Strategie orientiert sich an den langfristigen energie- und klimapolitischen Zielen des Bundesrats», sagt Sprecher Matthieu Buchs. Die fossilen und teilfossilen WKK-Anlagen sieht das BFE als Ergänzung zur unregelmässigen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. «Nicht als Konkurrenz», wie Buchs sagt. Der Bundesrat stelle strenge Rahmenbedingungen für die Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen auf. So sollen nur grosse Anlagen mit einem Heizwert von über 350 Kilowatt in den Genuss von finanziellen Mitteln kommen, und zwar ausschliesslich da, wo bereits heute vor Ort Wärme benötigt wird. Kleine WKK-Anlagen sind vom Fördersystem ausgeschlossen.
WWF-Experte Hofstetter fordert, der Bund dürfe nur WKK-Anlagen mit erneuerbaren Energieträgern finanziell fördern. Doch dies ist nicht geplant. Anlagen, die zum Beispiel mit Biogas laufen, sollen kein Geld aus dem neuen Topf erhalten. Diese würden in der Regel durch die Einspeisevergütung unterstützt, sagt Buchs. Allerdings, so zeigt sich, stehen derzeit mehr als 21'000 Ökostrom-Projekte auf der KEV-Warteliste. Wann sie realisiert werden können, ist ungewiss.

Der Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) begrüsst zwar, dass der Bund die Bedeutung von WKK erkannt habe. Die exklusive Fokussierung auf grosse Anlagen hält er aber für verfehlt. Die gemeinsame Produktion und Nutzung von Strom und Wärme sei generell wünschenswert, allerdings ohne die Leistungsgrösse einer Anlage zu begrenzen, wie Sprecher Daniel Bächtold betont. Dies umso mehr, als das vorgeschlagene Fördermodell einen «übermässigen bürokratischen Aufwand» erfordere. Dies sehen auch die Stadtwerk-Kooperation Swisspower sowie der Städte- und Gemeindeverband so. Sie haben mit dem VSG nun eine Allianz gebildet, um in Bern ihrer Forderung «Nachdruck zu verleihen». 

Quelle: Tages-Anzeiger 12. November 2012

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